Psalm 13

Psalm 13

Warum Klagen nicht das Letzte ist

Gott lädt uns ein, ehrlich zu klagen – und führt uns gerade dadurch weiter zum Vertrauen, zur Bitte und schließlich zum Lob. Klagen ist kein Zeichen schwachen Glaubens, sondern oft Ausdruck tiefen Gottvertrauens.

Gliederungspunkte

  1. Klagen heißt ehrlich fragen (Verse 2–3)
    → Die vier „Wie lange noch?“-Fragen; Gefühle ernst nehmen, auch wenn sie der Wahrheit (Gott vergisst nicht) widersprechen.
  2. Klagen heißt konkret bitten (Verse 4–5)
    → „Schau her“, „erhöre mich“, „erleuchte meine Augen“ – Bitte um Wendung der Wahrnehmung und um Kraft, nicht nur um äußere Veränderung.
  3. Klagen heißt mutig bekennen (Vers 6)
    → Selbstaufforderung zum Vertrauen und Lob, auch wenn die Umstände noch gleich sind: „Ich aber vertraue … ich will singen“.

Zusammenfassung

Die Predigt nimmt die verbreitete Scheu vieler Christen vor dem Klagen ernst: Wir sollen doch dankbar sein (Philipper 4,4–9 wird bewusst vorgelesen), und Klagen fühlt sich oft wie Undank oder Kleinglaube an. Doch genau weil Gott uns Psalm 13 schenkt, dürfen und sollen wir klagen – ehrlich, direkt an Ihn gerichtet, nicht nur jammern.
Der Psalm zeigt einen Weg:

  • von roher, ehrlicher Klage („Wie lange noch?“),
  • über konkrete Bitte um erleuchtete Augen und Kraft,
  • bis hin zum bewussten Vertrauensbekenntnis und Lob, auch wenn die Lage äußerlich noch dunkel ist.

Klagen ist nicht das Ende, sondern oft der Anfang eines Weges zurück zu Gott. Es ist besser als Schweigen oder Verdrängen, weil es die Beziehung zu Gott lebendig hält. Wer nicht klagt, macht Gott manchmal kleiner, als Er ist. Jesus selbst und die Märtyrer in Offenbarung 6 klagen „Wie lange noch?“ – das zeigt: Klage hat auch im Neuen Bund ihren Ort, solange wir in einer gefallenen Welt leben.

Vielleicht sollten wir nicht Psalmen aussuchen nach unseren Gefühlen, vielleicht sollten wir anfangen, Psalmen zu lesen, unsere Gefühle nach den Psalmen auszurichten.

Dietrich Bonhoeffer, sinngemäß und leicht paraphrasiert in der Predigt wiedergegeben

Verwendete Bibelstellen und wichtige Zitate

  • Philipper 4,4–9 (Vorbereitungstext: „Freut euch allezeit … der Gott des Friedens wird mit euch sein“)
  • Psalm 13
  • Jesaja 49,15–16 („Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen … ich will dich nicht vergessen … in meine Hände habe ich dich eingezeichnet“)
  • Hiob 1–2 („Der Herr hat’s gegeben …“) + Hiob 3 (Wunsch, nie geboren zu sein)
  • Könige 19 (Elia nach dem Feuer vom Himmel am Boden zerstört – indirekt)
  • Matthäus 27,46 / Psalm 22,2 („Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ – Jesus am Kreuz)
  • Offenbarung 6,10 („Wie lange noch, o Herr … richtest du nicht?“)
  • Epheser 1,17–19 (Paulus-Bet um erleuchtete Augen des Herzens)